Der Ruf des Waldkauzes: Männchen und Weibchen
Mit seinem langgezogenen Huh-Huhuhu-Huuuh sorgt der Waldkauz bei einem Spaziergang durch den nächtlichen Herbst- und Winterwald für den gewissen Gruselfaktor. Eigentlich läuten die Männchen hierdurch jedoch die Balzzeit ein, die ab Herbst beginnt und sich bis in den Spätwinter zieht. Jedes Männchen legt eine individuelle Note in seinen Ruf, anhand dessen sogar eine Identifizierung möglich ist.
Häufig äußert das Weibchen einen lauten, durchdringenen Ruf: "kuwitt" (den übrigens auch die Männchen beherrschen).
Mit der Treue nehmen es Waldkäuze sehr genau. Haben sich Herr und Frau Waldkauz erst einmal gefunden, bleiben sie ein Leben lang zusammen. Allerdings geht das Paar nach der Aufzucht der Jungen erst einmal auf Abstand und trifft sich im Herbst wieder, wenn das Männchen erneut mit seinem markanten Ruf lockt.
Der Waldkauz-Nachwuchs
Für die Aufzucht der Ästlinge, wie der Waldkauz-Nachwuchs auch genannt wird, suchen sich die Eltern alte Baumhöhlen, greifen aber auch auf Mauerspalten beispielsweise in Kirchtürmen oder auf Dachböden zurück und nehmen sogar Nisthilfen an. Dabei halten sie auch ihrem erwählten Revier über Jahre die Treue. Es empfiehlt sich jedoch einen respektvollen Abstand zu den Nistplätzen einzuhalten, da Waldkäuze keinen Spaß verstehen, wenn es um die Familie und das eigene zu Hause geht. Sogar große Angreifer, wie Uhu und Habicht, werden lautlos von hinten attackiert und mit Hilfe der scharfen Krallen vertrieben.

Die Nahrung des Waldkauzes
Grundsätzlich schlagen sich Waldkäuze die Nächte mit der Suche nach Nahrung um die Ohren. Dabei sind Mäuse ihr Leibgericht, aber auch Eichhörnchen, Kaninchen, Amphibien, andere Vögel und hin und wieder ein Regenwurm stehen auf dem Speiseplan.
Die Männchen versorgen das Weibchen (und Nachwuchs) anfangs im Nestlingsstadium und relativ schnell hilft auch das Weibchen mit und jagt ebenfalls wieder. Relativ schnell versucht der Nachwuchs, selbst zu jagen (das ist genetisch veranlagt) und wird von den Eltern noch bis in den Herbst in gute Jagdgebiete geführt und angeleitet, womit sich die Jagdfähigkeit verfeinert. Zur Herbstbalz müssen die Jungvögel dann das Revier verlassen und sich ein eigenes Revier suchen.
Tagsüber ruhen die anpassungsfähigen Jäger, denen die eulentypischen Federohren fehlen, an geschützten Plätzen, um sich nachts wieder aus der Deckung zu wagen und uns mit ihrem Ruf ein schaurig-schönes Walderlebnis zu bescheren. Zu Gesicht bekommt man den krähengroßen, kompakt gebauten Jäger mit den runden, schwarzbraunen Augen und dem schwefelgelben, gekrümmten Schnabel selten.
Besondere Fähigkeiten des Waldkauzes
Auch die Gabe den Kopf um 270 Grad drehen zu können weckt Assoziationen an einen Horrorfilm. Dabei handelt es sich um eine hervorragende Eigenschaft, die dem Problem, das alle Eulen gemein haben, Abhilfe schafft: Ihre Augen sind vollkommen unbeweglich. Dieser Rundblick wird durch sage und schreibe 14 Halswirbel möglich. Das sind doppelt so viele wie bei uns Menschen.
Die Fähigkeit des Waldkauzes nahezu lautlos fliegen zu können unterstreicht zusätzlich sein schauriges Image. Grund dafür sind die Federn, die sehr dicht und locker zugleich am Körper sitzen. Das Gefieder ist samtartig weich. Darüber hinaus sind die Kanten der äußersten Federn mit kammartigen Zähnen ausgestattet. Beides sorgt während des Flugs für eine Verwirbelung des Luftstroms, wodurch Geräusche unterdrückt werden.
Als Meister der Tarnung variiert die Farbe des Gefieders von grau bis hin zu den verschiedensten Rot- und Brauntönen. Diese Farbunterschiede sind abhängig von der Region und sorgen dafür, dass der Tarnanzug stets perfekt sitzt. Nach Norden und Osten hin sind sie grauer, im Westen eher Rot und dazwischen kommt es zu Vermischungen, sodass Grau- und Brauntöne vorhanden sind.
Ist der Waldkauz geschützt?
Der Waldkauz ist die häufigste Eulenart Europas und gilt derzeit nicht als akut gefährdet. Dennoch ist auch er zunehmend vom Verlust seines Lebensraums betroffen – insbesondere vom Rückgang alter Bäume, die wichtige Nistmöglichkeiten bieten. Entsprechend ist der Waldkauz nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44) streng geschützt.

Neben dem Lebensraumverlust stellt auch der Straßenverkehr eine erhebliche Gefährdung dar: Beutetiere wie Mäuse sind auf unbewachsenen Straßen leicht zu entdecken, was häufig zu Kollisionen mit Autos führt. Darüber hinaus können Zäune oder Stromleitungen, vor allem nachts, für die Vögel zur Gefahr werden.











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