Typische Anfängerfehler beim Pilzesammeln
Du gehst in den Wald, hast einen Korb und große Motivation dabei und kommst mit… nichts zurück. Oder schlimmer: Noch bevor du losziehst bist du unsicher, hast Angst vor Vergiftung oder fragst dich, ob du der Natur schadest.
Willkommen beim Pilzesammeln. 🍄
Hier sind sieben (Denk-)Fehler, die gerade Einsteiger*innen häufig passieren – und wie du sie vermeidest.
1. „Hier gibt es keine Pilze“ – doch, du siehst sie nur (noch) nicht
Kennst du das? Du gehst in den Wald uns siehst: nichts. Scheinbar gibt es aktuell keine Pilze, die du sammeln könntest… oder?
👉 Das Problem ist nicht der Wald. Es ist dein Blick. Pilze sammeln ist ein Training für deine Wahrnehmung.
💡 Was dir hilft:
• Geh regelmäßig in den Wald
• Achte auf bestimmte Baumarten (Stichwort: Symbiose von Baum & Pilz – mehr dazu in unserem Online-Kurs "Pilze sammeln für Einsteiger*innen)
• Schärfe deinen Pilzblick: Betrachte einzelne Exemplare genau und übe dich in der Bestimmung
Du wirst sehen: Mit der Zeit wirst du immer besser darin, gute Pilzspots und die gewünschten Exemplare zu erkennen. Und ja:
👉 Ohne Feuchtigkeit keine Pilze. In trockenen Perioden ist es durchaus schwieriger, Pilze zu finden. Nach ein paar Tagen Regen hat sich dieses Problem jedoch meist schnell gelöst.
2. Angst vor Vergiftung – berechtigt, aber oft falsch eingeordnet
Oft hindert die Angst vor Pilzvergiftungen Einsteiger*innen davor, erstmalig in die Pilze zu gehen. Diese Sorge ist natürlich nicht unberechtigt. Klar ist:
👉 Iss niemals einen Pilz, den du nicht zu 100 % sicher bestimmt hast.
Doch es ist durchaus möglich, das Risiko (scheinbarer) Vergiftungen auf ein Minimum zu reduzieren:
• Lasse dir von Expert*innen zeigen, worauf du achten musst und wie du Pilzbestimmung systematisch angehst
• Bist du dir unsicher: Kontaktiere Pilzsachverständige in deiner Nähe zur Kontrolle
• Verwechsle Unverträglichkeit nicht mit echter Vergiftung
🧠 Wichtig zu wissen:
• Echte Pilzvergiftungen haben oft eine lange Latenzzeit (mehrere Stunden bis Tage)
• Viele Beschwerden entstehen durch:
o falsche Lagerung
o alte Pilze
o falsche Zubereitung
👉 Praxis-Tipp: Lass alte Pilze im Wald
• Bei Röhrlingen: leicht auf die Röhren drücken → sind sie noch fest, ist der Pilz meist frisch
• Maden? → der Pilz bleibt besser im Wald
• Schnecken? → großzügiges Wegschneiden der betroffenen Stelle reicht oft
3. Schlechtes Gewissen: „Schade ich dem Wald?“
Die kurze Antwort: In der Regel nein.
👉 Du erntest den Fruchtkörper, nicht den eigentlichen Pilz (das Myzel im Boden).
Das ist vergleichbar damit, einen Apfel vom Baum zu pflücken.
Aber beachte:
• Nimm nur mit, was du verwerten kannst
• Respektiere Schutzgebiete
• Hinterlasse keinen Müll
💡 Tipp: Wenn du Pilze nur für Bestimmungsübungen sammeln würdest, können diese oft im Wald verbleiben und weiterwachsen. Nutze den Spiegel-Trick:
• Pilz stehen lassen
• mit Spiegel unter den Hut schauen → Röhren oder Lamellen?

4. Abschneiden oder rausdrehen? 🌪️ (Die ewige Frage)
Schon kleine Unsicherheiten können dazu führen, dass man sich nicht traut, Pilze sammeln zu gehen. Viele Anfänger*innen haben beispielsweise Angst davor, den Pilz durch die falsche Entnahmemethode zu verletzen. Soll man ihn abschneiden oder herausdrehen?
👉 Die gute Nachricht: Dem Pilz ist das egal.
@waldakademie Die Pilzsaison ist eröffnet! Sammelt ihr Pilze? #pilze #pilzesammeln #pilz #waldwissen #wald #natur #waldliebe ♬ Originalton - Wohllebens Waldakademie
Hier darf man ruhig etwas Egoismus wagen und überlegen, was den eigenen Zwecken am besten dient.❗ Für die Bestimmung brauchst du meist den ganzen Fruchtkörper.
Wenn du abschneidest:
• fehlt dir evtl. die Stielbasis
• wichtige Merkmale (z. B. Knolle) gehen verloren
👉 Daher: Unbekannte Pilze am besten vollständig entnehmen.
5. „Pilze wachsen nur im Herbst“ – das stimmt so nicht
Du gehst nur im September und Oktober vor die Tür, um deine Pilzsammel-Skills aufzubessern? 👉 Fehler.
Auch wenn die Hauptsaison natürlich von Mai bis Oktober ist, wachsen Pilze rund ums Jahr! Der Austernseitling sowie der Samtfußrübling sind Beispiele für sehr schmackhafte Speisepilze, die du im Winter sammeln kannst.
Das bringt außerdem noch einige Vorteile:
• keine Mücken
• kaum Schnecken
• weniger menschliche Konkurrenz
👉 Wer ganzjährig sucht, lernt schneller.
6. Zu viele Mythen – und kein klarer Einstieg
Vielleicht hast du solche Sätze schon gehört:
• „Was Tiere essen, ist für Menschen ungefährlich“
• „Giftige Pilze erkennt man am Geschmack“
• „Koche einen Silberlöffel mit Pilzen – wenn er schwarz wird, ist Gift im Spiel“
👉 Das ist alles falsch. Auch wenn diese Merksätze eigentlich dazu dienen sollen, dir zu helfen, können sie nur Unsicherheiten schüren, überfordern und im schlimmsten Fall sogar gefährlich sein.
💡 Besserer Einstieg: Lerne systematisch – und von Expert*innen!
Starte z.B. mit einer einfachen Unterscheidung:
• Röhrlinge (z. B. Steinpilz)
• Lamellenpilze (z. B. Champignons)
Von dort aus kannst du dein Wissen immer weiter aufbauen. Greife dafür am besten stets auf das Wissen von Expert*innen zurück, von denen du Stück für Stück lernen und so Sicherheit erlangen kannst.
7. Angst vor Zecken und Fuchsbandwurm
Die Sorge, sich beim Pilzesammeln im Wald Zecken oder einen Fuchsbandwurm einzufangen, ist weit verbreitet. Doch ist sie auch berechtigt?
Fuchsbandwurm:
• sehr selten
• Übertragung meist indirekt (z. B. über Hunde)
• theoretisch auch im Garten möglich
@waldakademie Habt ihr beim Kräutersammeln Angst vor dem Fuchsbandwurm? #waldwissen #fuchsbandwurm #kräutersammeln #wildkräuter #wildkräutersammeln #kräuter #waldakademie #pflanzen #wald ♬ Originalton - Wohllebens Waldakademie
Zecken
• tatsächlich relevant
• aber gut handhabbar
💡 Maßnahmen:
• lange, helle Kleidung
• Absuchen nach dem Waldgang
Fazit: Es ist ein Prozess
Wenn du gerade erst anfängst, dich mit dem Pilzesammeln zu beschäftigen, ist Unsicherheit und die Angst vor Fehlern normal.
Aber:
👉 Mit jedem Waldgang wirst du besser
👉 Mit jedem Fehler lernst du etwas dazu










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