Unsere Wälder stehen zunehmend unter Druck, und ein entscheidender Faktor wird dabei oft übersehen: der Zustand des Bodens.
Der Waldboden als größter Wasserspeicher
Der größte Wasserspeicher im Wald ist der Boden selbst. Er kann enorme Mengen Wasser aufnehmen – wenn man ihn lässt.
Ein gesunder Waldboden ist normalerweise sehr feinkrümelig aufgebaut und funktioniert wie ein großer Schwamm. Er besteht aus unterschiedlich großen Poren:
- Kleine Poren speichern Wasser sehr fest – dieses Wasser wird als „Totwasser“ bezeichnet, da Pflanzen es nicht nutzen können
- Große Poren lassen Wasser schnell durchfließen, sodass es nicht lange im Boden bleibt
- Mittlere Poren sind entscheidend, da sie pflanzenverfügbares Wasser speichern
Gerade diese mittleren Poren sind besonders wichtig, weil Pflanzen über längere Zeit Wasser daraus aufnehmen können. Sie sind damit zentral für den Wasserrückhalt im Wald.
Bodenverdichtung im Wald: Ursachen
Der entscheidende Faktor für die Verdichtung von Böden ist die mechanische Belastung durch Maschinen.
Wenn man eine Rückegasse (= für die Holzernte ausgewiesene, aber nicht befestige Wege) betrachtet, wird deutlich, was passiert:
- Die Überfahrt schwerer Maschinen zerstört die Bodenstruktur
- Vibrationen der Motoren verstärken diesen Effekt
- Die sogenannte Auftrittslast - also das Gewicht auf den Reifen - wirkt besonders stark im Bereich der Reifenprofile, aber auch weit darüber hinaus
Der Boden wird also wie ein Schwamm zusammengedrückt, nur dass er sich danach nicht wieder richtig aufrichtet.

Nachhaltige Zerstörung
Wie lange es braucht, bis der Schwamm sich wieder aufrichtet, also der Boden sich vollständig erholt, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Die obersten 10 – 15 cm können sich durch Frosthub innerhalb von Jahren oder Jahrzehnten wieder ganz gut erholen. Frosthub bedeutet, dass das Bodenwasser immer wieder gefriert und taut. Bei diesem Prozess dehnt es sich aus und kann den Boden wieder lockern. Große und kleine Bodentiere helfen dann den Boden weiter zu regenerieren. Die als Wasserspeicher so wichtigen Bodenschichten darunter hingegen bleiben verdichtet.
Für wie lange?
Abschließende Untersuchungen hierzu gibt es nicht, aber noch heute lassen sich Befahrungsschäden durch Pferdefuhrwerke der ersten Siedler in den USA im Boden nachweisen. Wie viel dramatischer müssen sich dann erst die Schäden durch die viele Tonnen schweren modernen Forstfahrzeuge auswirken? Bis heute können wir nur sagen, dass selbst Jahrzehnte zurückliegende Befahrungsschäden durch Traktoren sich in den tieferen Schichten nicht erholt haben. Großflächig kommen schwere Forstmaschinen erst seit den 1990er Jahren in Deutschland zum Einsatz. Das wahre Ausmaß der Schäden wird sich hier entsprechend erst in Jahrzehnten zeigen.
Soweit wir heute wissen, erholen sich Waldböden nie von Verdichtungsschäden. Die vielen Bodenorganismen müssen wieder ganz von vorne anfangen die so wertvolle, feinkrümelige Erde aufzubauen. Und das braucht Jahrtausende.
Zustand unserer Waldböden
Viele unserer heutigen Waldstandorte sind vergleichsweise jung und wurden stark verändert, zum Beispiel durch:
- frühere landwirtschaftliche Nutzung
- Wiederaufforstung
Es gibt nur noch wenige Standorte, an denen der Boden seine ursprüngliche, schwammartige Struktur behalten hat.
Flächendeckende Untersuchungen fehlen, aber Auswertungen z.B. aus den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zeigen, dass über die Hälfte aller Waldböden Verdichtungsschäden aufweisen.
Bodenverdichtung im Wald: Folgen für den Wasserhaushalt
Das zentrale Problem ist die verlorene Wasser-Speicherfähigkeit: Durch die Verdichtung werden die wichtigen mittleren Poren zerstört. Der Boden kann Wasser dann nicht mehr so aufnehmen und vor allem nicht mehr langfristig speichern.
Gerade mit Blick auf den Klimawandel ist das entscheidend. Wälder sind darauf angewiesen, Wasser über längere Zeit im Boden zu halten - insbesondere aus den Niederschlägen im Winter. Nur so können Bäume trockene Phasen überstehen.
Zusätzlich wird auch die Aufnahme von Wasser erschwert: Regen dringt schlechter in den Boden ein, es kommt zum Pfützeneffekt, und ein Teil des Wassers verdunstet wieder, statt gespeichert zu werden. Bei Starkregen wird das wertvolle Nass viel zu schnell in Richtung Tal geführt und kann dort große Schäden verursachen.

Die Bewirtschaftung kann die Wasserspeicherfähigkeit eines Waldbodens also deutlich verringern. Gleichzeitig wird genau diese Fähigkeit in Zukunft immer wichtiger.
Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie stark Waldböden überhaupt belastet werden sollten - und wie sinnvoll der Einsatz großer Forstmaschinen in dieser Form noch ist.
Bodenschutz im Wald als Lösungsansatz
In einer ökologisch ausgerichteten Forstwirtschaft wird versucht, den Schaden möglichst gering zu halten:
- Maschinen werden seltener eingesetzt und beispielsweise durch Rücke-Pferde ersetzt
- Rückegassen liegen in deutlich größeren Abständen
- ein Großteil des Waldbodens bleibt unbefahren.
Traktoren mit Seilwinden oder Rückezüge kommen nach wie vor zum Einsatz, allerdings auf das Notwendigste reduziert.
Das Ziel ist klar: So viel Boden wie möglich soll seine natürliche Struktur behalten und weiterhin Wasser speichern können.
Fazit
Wenn man sich den Waldboden wie einen Schwamm vorstellt, wird schnell klar, worum es geht: Wird er einmal zusammengedrückt, verliert er einen großen Teil seiner Funktion.
Genau das passiert bei der Bodenverdichtung im Wald. Und genau deshalb wird der Umgang mit dem Boden zu einer der entscheidenden Fragen für die Zukunft unserer Wälder.

In diesem Seminar beschäftigen wir uns gemeinsam mit den Fragen, wie wir den Wald als funktionierendes Ökosystem erhalten, wie der Wald der Zukunft aussehen könnte und wie jede*r Einzelne diesen auf dem Weg in eine grünere Zukunft unterstützen kann.

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