Die faszinierende Welt der Parasiten

Podcast mit dem Biologen Rainer Harf

Wohllebens Waldakademie

In dieser Podcastfolge spricht Peter Wohlleben mit dem Biologen und leitenden Redakteur der Zeitschrift „Wohllebens Welt“, Rainer Harf, über Lebewesen, die bei den meisten Menschen, wohl eher für einen kalten Schauer sorgen – den Parasiten. Die Einblicke, die uns Rainer Harf in die unglaublich vielfältigen und perfekt ausgeklügelten Lebensweisen der Parasiten gewährt, bewirken hingegen, dass man den Mund vor lauter Staunen nicht mehr schließen kann.  

Parasiten sind vielfach winzig klein und ihr Leben spielt sich häufig im Verborgenen ab. Schätzungen zur Folge leben jedoch ca. 40-50% aller Tierarten im Laufe ihres Lebens parasitisch und auch einige Pflanzen reihen sich in die Riege der Parasiten ein. Potenziell stellt jedes Lebewesen, jeder Körper, jedes einzelne Organ einen Lebensraum für Parasiten dar. Somit lohnt es sich einmal einen Blick auf diese extrem artenreiche Gruppe zu werfen. Grundsätzlich stehen Parasiten immer vor der Herausforderung von einem Wirt zum nächsten zu gelangen. Die Transportwege- und mittel, die die kleinen Spezialisten hierfür nutzen übersteigen jedoch vermutlich sogar die Vorstellungskraft der begnadetsten Kriminalautor*innen.  

Was menschliche Eingriffe in die Natur mit dem Parasitenbefall von Mäusen zu tun haben, warum es sich bestimmte Milbenarten nur in einem Ohr von Motten gemütlich machen, wie ein Wasserwurm Grillen zum Suizid bewegt, dass es sogar Parasiten gibt, die in Parasiten leben und wie sogar Bäume aktiv in diese ausgeklügelten Systeme eingreifen, decken Rainer Harf und Peter Wohlleben in dieser spannenden Folge auf.  

Als kleinen Appetithappen gibt es nachfolgend unsere Top 3 der verrücktesten Lebenszyklen von Parasiten. 

Top 3 der verrücktesten Lebenszyklen von Parasiten: 

1. Von Krötenblase zu Krötenblase: 

In Amerika gibt es einen Parasiten, der es sich in der Blase von Kröten zu Hause fühlt. Um der großen Hitze und Trockenheit zu entgehen, verbuddelt sich die Kröte über viele Monate unter der Erde. Während sie da so in ihrem Versteck hockt, ist es dem Parasiten allerdings nicht möglich seinen Nachwuchs in die Blase anderer Kröten zu manövrieren. Kein Problem für den Parasiten! Er wartet geduldig auf die nächste Regenzeit. Wenn das lang ersehnte Nass vom Himmel fällt, dringt das Wasser durch die Haut der Kröte. Das ist das Startsignal für den Parasiten, der dann endlich mit der Fortpflanzung beginnen kann. Denn schon bald wird die Kröte sich wieder an die Oberfläche graben um sich ihrerseits zu paaren. Unbemerkt hat sie dann allerdings auch noch den Parasitennachwuchs im Gepäck, der es sich so in der Blase der nächsten Kröte gemütlich machen kann.  

2. Über hustende Schnecken zurück ins Schaf 

In den Gallengängen mancher Schafe haust der Leberegel. Dieser kleine Saugwurm produziert Eier, die über den Schafkot ihren Weg auf die Schafweide finden. Blöd nur, dass Schafe keinen Kot fressen, um die Eier ihrerseits wieder aufzunehmen. Was wäre da naheliegender als die Hilfe einer Schnecke in Anspruch zu nehmen. Schnecken naschen nämlich gerne mal am Schafkot. Allerdings ist dieser Snack für die Schnecken nicht sehr bekömmlich, da die Larven des Leberegels in die Atemhöhlen der Schnecke eindringen und bei ihr zu einem fiesen Reizhusten führen. Die Schnecke hustet daraufhin einen süßlichen Schleimballen aus. Ein Leckerbissen für Ameisen! Der Leberegel-Nachwuchs wandert dann schnurstracks ins Gehirn der Ameise und zwingt sie durch Manipulation zu einer Art Doppelleben. Während die Ameise tagsüber ihrem normalen Ameisenalltag nachgeht, kehrt sie abends nicht, wie gewöhnlich, in den Ameisenbau zurück. Stattdessen erklimmt sie einen Grashalm, bekommt dort eine Art Kieferkrampf, durch den sie sich am Grashalm festbeißt und dort die Nacht verbringt. Morgens löst sich der Krampf wieder und die Ameise spaziert weiter als wäre nichts gewesen. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis ein Schaf eines morgens den Grashalm samt Ameise und Leberegel-Nachwuchs futtert. 

3. Unglücklicher Fisch 

Ein weiterer Parasit hat es auf den Darm von Wasservögeln abgesehen. Doch wie kommt er vom Darm des einen Vogels in den nächsten? Natürlich über einen Fisch, wie auch sonst! Vorher kommen jedoch wieder Schnecken ins Spiel, die sich den Kot der Vögel samt Wurmnachwuchs schmecken lassen. Die Schnecke wiederum steht auf dem Speiseplan der Fische ganz oben. Ein Leckerbissen mit Folgen, denn die glücklichen Tage des Fisches sind von nun an gezählt. Die Wurmlarven entern sofort wieder sein Gehirn und senken dort den Serotoninspiegel. Der Mangel des Glückshormons führt dazu, dass der Fisch nervös wird und näher als üblich an der Wasseroberfläche schwimmt. Das kommt den hungrigen Wasservögeln entgegen, die sich diese leichte Beute nicht entgehen lassen und auch der Wurm hat sein Ziel wieder erreicht.  

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