Die Klimakrise trifft deutsche Wälder zunehmend sichtbar - auch die Buche. Ein direkter Vergleich zwischen geschützten und bewirtschafteten Buchenwäldern in Deutschland zeigt jedoch, dass nicht nur das Klima, sondern auch die Art der Bewirtschaftung eine entscheidende Rolle dabei spielt.
Die Klimakrise trifft den Wald – und die Buche steht im Fokus
Die Klimakrise eskaliert und zeigt sich inzwischen sehr deutlich in den Wäldern Mitteleuropas. Selbst bei der Buche sind vielerorts abgestorbene oder stark geschädigte Kronen zu beobachten. Während 1985 noch die Hälfte aller Buchen als gesund galten, sind es heute (2025) nur noch rund 21 Prozent. Gleichzeitig gelten etwa 25 Prozent der Fichten noch als gesund.
Rein statistisch könnte daraus der Eindruck entstehen, dass es der Fichte teilweise besser geht als der Buche. Daraus ergibt sich schnell die Frage, ob im Naturschutz ein grundlegender Wandel notwendig ist. So wird diskutiert, ob sich die Forstwirtschaft von klassischen, alten Laubwäldern lösen muss und stattdessen stärker auf neue Baumarten setzen sollte, die besser an ein heißer und trockener werdendes Klima angepasst sind.
Genau hier ist jedoch Vorsicht geboten, da die Statistik methodische Einschränkungen hat.
Warum der Waldzustandsbericht nur ein Teil der Realität abbildet
Wenn Bäume absterben oder regulär gefällt werden, fallen sie aus der Erhebung des Waldzustandsberichts heraus. Ein nicht mehr existierender Baum kann logischerweise nicht mehr als gesund oder krank bewertet werden. Daher reicht es nicht, nur den aktuellen Gesundheitszustand zu betrachten. Entscheidend ist auch, wie viele Bäume tatsächlich aus dem Bestand verschwinden.
Bei der Fichte lag dieser Anteil in den letzten Jahren bei teilweise über vier Prozent pro Jahr. Das weist auf ein deutliches Absterben in vielen Beständen hin. Bei der Buche lag dieser Wert dagegen deutlich niedriger, bei maximal 4 Promille (0,4 Prozent). Das bedeutet: Beide Baumarten sind belastet, aber in sehr unterschiedlichem Ausmaß.
Beobachtung im Gelände: Zwei benachbarte Wälder, unterschiedliche Zustände
Besonders aufschlussreich wird der Vergleich direkt vor Ort in der Eifel (Nordrhein-Westfalen, Deutschland). Dort lassen sich zwei unmittelbar benachbarte Waldflächen betrachten, die nur durch eine Straße getrennt sind.
Auf der einen Seite befindet sich ein streng geschützter Buchenwald. Diese Fläche wird seit vielen Jahren nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt, der Wald kann sich weitgehend ungestört entwickeln. Direkt angrenzend liegt ein wirtschaftlich genutzter Buchenwald, in dem weiterhin reguläre Forstwirtschaft betrieben wird. Ansonsten unterscheiden sich die Standortbedingungen nicht.
Der Unterschied zwischen beiden Flächen ist deutlich sichtbar. Im geschützten Buchenwald wirkt der Bestand stabiler und geschlossen. Im bewirtschafteten Wald zeigen sich dagegen stark geschädigte Bäume, mit lichten Kronen, beschädigter Rinde und teilweise frühzeitiger Blattverfärbung.
Der Klimawandel trifft beide Flächen gleich stark. Der wesentliche Unterschied ist unser Umgang mit dem Wald. Ein zentraler Faktor ist dabei die sogenannte Lichtstellung in der Forstwirtschaft. Dabei werden gezielt Bäume entnommen, um sogenannten Zukunftsbäumen mehr Licht und damit schnelleres Wachstum zu ermöglichen.
Licht, Hitze und Wasserhaushalt im Wald
Dieses Vorgehen hat jedoch Auswirkungen auf das Mikroklima im Wald. Mehr Licht führt zu höheren Temperaturen im Bestandesinneren und damit zu einer stärkeren Austrocknung. Forstlich wird dieser Effekt auch als „Warmhauen eines Bestandes“ beschrieben, da sich das Mikroklima im Wald deutlich verändert.
Bodenverdichtung als zusätzlicher Stressfaktor
Neben der Struktur des Waldes spielt auch der Waldboden eine wichtige Rolle. Durch den Einsatz schwerer Forstmaschinen kann der Boden verdichtet werden, wodurch seine Fähigkeit zur Wasserspeicherung sinkt. In der Praxis wird deshalb in Deutschland oft mit Rückegassensystemen gearbeitet, bei denen nur bestimmte Fahrtrassen genutzt werden. Dennoch bleibt ein Teil der ursprünglichen Bodenfunktion eingeschränkt.
Damit verliert der Wald einen wichtigen Teil seiner Wasserspeicher- und Kühlfunktion.
Fazit: Klimawandel und Forstwirtschaft wirken zusammen
Die Beobachtungen aus deutschen Wäldern zeigen ein differenziertes Bild. Der Klimawandel mit zunehmender Hitze und Trockenheit ist eine enorme Belastung für Wälder. Gleichzeitig zeigt der direkte Vergleich zwischen geschützten und bewirtschafteten Buchenwäldern, dass die Art der Bewirtschaftung einen entscheidenden Einfluss auf den Zustand der Wälder hat. Geschützte Waldflächen sind messbar stabiler als intensiv bewirtschaftete Bestände. Das zeigt nicht nur unsere Beispiel-Waldfläche sehr deutlich, sondern auch zahlreiche Studien in den letzten Jahren.

Quellen
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Hari V., Rakovec O., Markonis Y., et al. (2020): „Increased future occurrences of the exceptional 2018-2019 Central European drought under global warming”. www.nature.com/reprints
Ibisch P., Gohr C., Mann D., Blumröder J. (2021): „Der Wald in Deutschland auf dem Weg in die Heißzeit. Vitalität, Schädigung und Erwärmung in den Extremsommern 2018 – 2020. Centre for Econics and Ecosystem Management an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.
Krüger K., Senf C., Hagge J., Seidl R. (2025): „Setting aside areas for conservation does not increase disturbances in temperate forests“.Journal of Applied Ecology. https://doi.org/10.1111/1365-2664.70036
Mausolf K., Wilm P., Härdtle W. Jansen K., Schuldt B., Sturm K., Oheimb G., Hertel D., Leuschner C., Fichtner A. (2018): “Higher drought sensitivity of radial growth of Eureopean beech in managed than in unmanaged forests”. Science of the Total Environment 642: 1201-1208
Meyer P., Mölder A., Nagel R. (2024): “Trockenjahre & Buchenmortalität: Geschlossenes Kronendach mindert Schäden”. Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt. https://doi.org/10.5281/zenodo.13846992
https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/ergebnisse-der-buchenvitalitaetsabfrage-2023








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